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Harmlose Kunst führt die menschliche Verantwortung für Natur, Umwelt und Mitmenschen konsequent in der künstlerischen Praxis fort. Sie reflektiert den Umgang mit Material, Zeit und Aufmerksamkeit indem sie ihn zur Methode und zum Thema macht. Der konzeptionelle Ansatz verbindet ästhetische Wahrnehmung und Nachhaltigkeit.

Harmlose Kunst bedient sich bildender, performativer und interaktiver Formate. Der Ressourceneinsatz wird konsequent hinterfragt. Rohstoffe werden nur temporär aus ihrem Materialkreislauf entnommen und in diesen zurückgeführt. Die Ent-Sorgung ist zentraler Teil des Werkes – der erhebende Moment des Verschmelzens, Auflösens, Heilens. Durch die materielle Harmlosigkeit stellt Harmlose Kunst unbequeme Fragen an dem Umgang mit Ressourcen – und ist damit alles andere als gesellschaftlich harmlos. Gleichzeitig ermöglicht sie Schönheit, Ästhetik und Genuss ohne die drängende Frage der Ressourcenknappheit verleugnen zu müssen.

Harmlose Kunst weist in der letzten Konsequenz den Weg von der Materialneutralität zur Kunst ohne Werk. Ihr Ziel ist auch eine Demokratisierung künstlerischer Ästhetik, in dem sie die Möglichkeit zeigt das eigene Leben und Erleben und die eigene Kommunikation als Ausdruck künstlerischen Daseins zu begreifen. Durch diese harmlose Haltung wird der Gebrauch einfacher Materialien und Techniken zu einer revolutionären Methode auf die Wahrnehmung der Welt in ihrem Gesamtzusammenhang.

Harmlose Kunst knüpft an Techniken und Traditionen an und grenzt sich gleichzeitig von ihnen ab. Die Dauerhaftigkeit eines Werkes, der materiellen Wert und die Funktion als Statussymbol werden abgelöst durch die Maxime der Harmlosigkeit. Selbstauflösung ist das neue Gold.

Harmlose Kunst sensiblisiert durch die konsequente Selbstreflexion auch für den Umgang mit Ressourcen im Alltag. Welcher „Abfall“ könnte Werkstoff sein und welcher“Restmüll“ könnte ganz vermeidbar sein? Das Einüben einer harmlosen Perspektive kann auch im Umgang mit politischen Statements, Marketing-Versprechen und Greenwashing-Strategien hilfreich sein.

Harmlose Kunst als künstlerisches Werk oder Aktion, aber auch ihr Entwurfs- und Herstellungsprozess sowie ihre Präsentation, Dokumentation und Veröffentlichung hält sich an diese Prinzipien. Beispielsweise ist der Einsatz von nicht-harmlosem Werkzeug kritisch zu hinterfragen. Und ein harmloses Werk darf nicht abgedruckt werden, idealerweise wird es nicht einmal fotografiert um keine digitalen Resourcen zu belegen. Noch sind in diesen Bereichen aber Kompromisse notwendig, um überhaupt über Harmlose Kunst kommunizieren zu können. Deshalb beschränkt sich momentan als Zwischenstadium der Werkzeugeinsatz auf bereits vorhandene Geräte und diese Website ist bei einem Ökohoster angelegt.

Hände lassen Überreste von Harmloser Kunst fallen: Ahornsamen, Laub

Seit 1970 verbraucht die Menschheit mehr Ressourcen als die Erde pro Jahr zur Verfügung hat, in der Summe leben wir schon über 12 Jahre voraus. Seit spätestens 1972 ist bekannt, welche ökologischen und sozialen Erschütterungen wir Menschen auf diesem überschaubar großen Planeten erzeugen, und welche Konsequenzen daraus drohen. Die Grenzen des Wachstums sind berechenbar, in den letzten Jahren werden sie immer deutlicher sichtbar, die Prognosen bestätigen sich und werden von neuen Forschungsergebnissen noch weit übertroffen.

Im Leben, im Alltag, in der Kunst: Wie wir uns verhalten, was wir tun und wie wir uns entscheiden: Alles hat immer Auswirkungen auf die Systeme, in denen wir uns bewegen. Wer nicht Teil der Lösung ist, ist Teil des Problems.

Auch Kunst hat Auswirkungen auf diese ökologischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen Systeme. Mindestens ganz unmittelbar durch den eigenen Verbrauch an Material, Zeit und Energie und durch das Einfordern von Aufmerksamkeit. Wenn Kunst soetwas wie ein Seismograph für Gesellschaft sein möchte, und wenn sie ihren Teil der Verantwortung trägt, muss sie (im eigenen Ressourceneinsatz) harmlos sein und darf (in der Haltung) nicht harmlos sein.

Abbildung:
„Warum machen Sie das?“ –
„Ich kann nicht nicht-antworten auf die sozial-ökologische Frage.“ (Kalk aus dem Wasserkocher auf Duschwand, 2020)

Ich gehöre zur einer Generation, die schon im Kindesalter mit warnenden Worten der Erwachsenen vor dem negativem Einfluss des menschlichen Verhaltens auf Ökologie und Lebenssysteme aufgewachsen ist. Ich erlebe diese negativen Auswirkungen dieser Entwicklungen schon in jungen Jahren selbst, und frage mich wie es in ein paar Jahren wohl sein wird, wenn ich 40, 50, 60 Jahre alt bin. Ich habe das Bedürfnis, etwas zu verändern, es besser zu machen, weniger Schaden anzurichten. Aber alleine weil ich in Deutschland lebe ist mein ökologischer Fußabdruck schon viel zu groß, mein reines Dasein trägt zur Zerstörung der Welt bei. Das ist nicht meine Schuld, aber es ist meine Verantwortung mir dessen bewusst zu sein, damit umzugehen und Haltung zu zeigen.

Anna Hielscher

Jahrgang 1985
Diplom-Sozialpädagogin (FH)
Nachhaltigkeitspädagogin
Medienpädagogin
Künstlerin

anna-hielscher.de