unfotografiert

Berge und Täler und Licht und Schatten und Kanten und Flächen in breiten und schmalen und harten und weichen und feuchten und nassen Wellenrippeln

die Interferenzen der Bug- und Heckwellen, die im flachen Sand neben der Fahrrinne anbrandend das Schiff begleiten

das trockengelaufene Watt jenseits des dreiphasig bewachsenen Hafenkanals

oben der Himmel und unten das Wasser und dazwischen ein ganz dünner Streifen ahnbare Landmasse

kleine dicke Punkte in der Ferne auf einer Sandbank: Kegelrobben beim Mittagsschläfchen

eine Möwe knapp über der Wasseroberfläche gleitend

das Rauschen der Wellen

nachgebender Sand

Sonnenwärme

ich

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Diesen Text habe ich bei einer Reise an der Nordsee geschrieben, mit dem Hintergedanken dass jedes Foto mehr Ressourcen verbraucht als meine Erinnerung und im vollen Bewusstsein dessen, dass sowieso kein Medium das ausdrücken kann, was ich in diesem Moment wahrnehme. Entsprechend habe ich mich für Text als erinnerungsinduzierende Form entschieden, die so reduziert ist dass Platz für die Bilder im Kopf bleibt und gleichzeitig genügend konkrete Anhaltspunkte liefert um das Kopfkino mit Details zu bestücken.

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